Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag

Bündnis gegen Depressionen
2016

„Ich sage nicht die Wahrheit, nicht bei allen Menschen. Beispielsweise telefonieren, da überlege ich mir stark, ob ich überhaupt ans Telefon gehe. Die Menschen denken alle, mir geht es gut. Ich bin fröhlich... Ich kann mich total gut verstellen“, so beschreibt eine Betroffene am Anfang des Dokumentarfilms ihren täglichen Kampf mit der Krankheit Depression. Obwohl statistisch gesehen jede vierte Frau und jeder achte Mann im Laufe des Lebens an einer Depression erkrankt, geht es vielen Betroffenen Tag für Tag so wie unsere Protagonistin es beschreibt: Sie haben Angst vor der Stigmatisierung und entscheiden sich, ihre Krankheit zu verschweigen. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen, ihr Umfeld, ihre Arbeitssituation, sondern auch oft die Behandlung.

Um das Verständnis für die Erkrankung Depression zu verbessern –für Betroffene, ihre Angehörigen, aber auch für die Öffentlichkeit –haben sich unsere Protagonisten entschlossen, dieses Schweigen bezüglich ihrer Krankheit zu brechen. Die Regisseure Axel Schmidt und Michaela Kirst und der Kameramann Dirk Lütter haben zwei an Depression erkrankte Frauen und eine betroffene Familie über ein Jahr auf ihrem ganz eigenen Weg durch und aus der Erkrankung begleitet.  Die Familie, in der Mutter, Vater und Tochter von Depression betroffen sind, steht zu Beginn des Films vor dem Umzug in ein neues Haus: eine Veränderung der Lebensumstände, die unter der Belastung derErkrankung zur Herausforderung werden kann. „Ja, und manchmal bin ich auch echt sauer darauf, dass ich mit neunzehn schon so viel Erfahrung mit Depressionen sammeln musste. Und das verstehe ich auch oft nicht. Also ich würde liebend gern, bis ich vierzig bin oder so, gern ohne diese Krankheit leben,  weil das ja schon eine sehr große Last ist in jedem Bereich: in einem Beruf, in einer Beziehung, in Freundschaften, im Alltag“, so beschreibt die Tochter ihr Leiden als Kind und Jugendliche unter der Erkrankung. Im Verlauf des Films lässt sie den Zuschauer über Videotagebücher an ihrem Weg in einen neuen Lebensabschnitt mit der Suche nach einem Ausbildungsplatz und Auszug aus dem Elternhaus teilhaben. Ihre subjektive Sicht als von Depression Betroffene vermittelt sich so unmittelbar. Der Vater der Familie erleidet im Zeitraum der Filmarbeiten eine erneute depressive Phase. Wir erleben, wie er und die anderen Familienmitglieder damit umgehen. Er selbst berichtet eindrücklich davon, wie wichtig für ihn im Umgang mit seiner Erkrankung die Therapie mit Medikamenten ist und wie viel Kraft ihm der Austausch mit seiner Männergruppe gibt.

Auch eine Protagonistin aus dem ländlichen Raum leidet immer wieder unter Depressionen. Sie hat den Mut sich während einer akuten depressiven Phase von der Kamera begleiten zu lassen. Sie beschreibt ihr Erleben während der Depression sehr eindringlich: „Es wechselt sich ab von Hoffnungslosigkeit, totaler Apathie. Auch zum Teil kein Wollen mehr. Und diese Hoffnungslosigkeit, das ist wie eine Leere. Die Gefühle sind wie abgeschnitten von der Welt. Ich kann nur funktionieren, kann Laufen, kann Gucken, aber es ist ohne innere Beteiligung.“

Unter anderem findet sie in einem therapeutischen Kunstprojekt mit dem Psychiater und Künstler Dr. Franz Ernst eine Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der Depression und sich selbst und sozu einem selbstbewussteren Umgang mit ihrer Krankheit.  Im Gegensatz zum ländlichen Raum dieser Protagonistin steht eine junge Betroffene aus Berlin. Sie hat während des Studiums eine depressive Episode erlebt. Sie ist Musikerin und konnte während der Zeit ihrer Erkrankung nicht mehr mit innerer Beteiligung musizieren. „Musik hat mich in dieser Zeit nicht mehr berührt, ich war wie abgeschnitten vom kreativen Fluss.“ Im Laufe der Dreharbeiten gewinnt sie wieder Freude an ihrer Musik und es gelingt ihr ihre Erfahrungen in Songs umzusetzen, die sie gemeinsam mit ihrer Band auf Konzerten spielt: „Ich konnte über die Musik diese Erfahrungen, die ich gemacht habe, überhaupt irgendwie beschreiben, über Texte, über Melodien und damit überhaupt erst für mich begreifen.“Unser Dokumentarfilm „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag“ verzichtet auf einen erklärenden Sprechertext und macht die Erkrankung Depression aus der Sicht der Betroffenen und ihrer Angehörigen so erlebbar.

Der Film ist über www.buendnis-depression.de/infomaterial-bestellen auf DVD (23,40 € zzgl. Porto) erhältlich.

Pressestimmen: 
Ein Jahr im Leben von Menschen mit Depression und ihren Angehörigen: Der Dokumentarfilm „Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag“ begleitet zwei an Depression erkrankte Frauen und eine betroffene Familie. Gemeinsam mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist ein eindrückliches Filmdokument entstanden, das helfen soll, diese Krankheit begreifbar und nachvollziehbar zu machen.
Kontakt: 
Michaela Kirst
Redakteurin
michaela.kirst [at] sagamedia.de