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WDR
2006
03.11.06
20.05.06
21.01.06
21.01.06

Warum Suleyman nach Deutschland kam

Wird in Deutschland zu wenig abgeschoben? So scheinen es zumindest die Innenminister aus Bund und Länder zu sehen. Obwohl im letzten Jahr nur 1% aller Asylverfahren anerkannt wurden. Immer häufiger sollen Ärzte Reisefähigkeitsatteste ausstellen. Und dabei zählt ausschließlich, ob der Patient einen Flug überleben wird. Was mit psychisch Erkrankten und traumatisierten Menschen nach der Reise in ihr Heimatland geschieht, scheint immer unwichtiger zu werden. Auch wenn die Flüchtlinge aus Krisenregion wie Tschetschenien kommen. So wie Suleyman, der mit 12 Jahren, traumatisiert nach Deutschland gelangt. Sein Bruder wurde umgebracht, er sah zu wie sein bester Freund durch eine Landmine ums Leben kam und selbst muste er schon als Kind Misshandlungen durch russische Soldaten überstehen.

Wo die Herkunft keine Rolle spielt

Krawall in der Schule, Anschläge auf Menschen anderer Hautfarbe, wachsende Fremdenfeindlichkeit: Fast könnte man meinen, Ausländer und Deutsche würden sich in Deutschland überhaupt nicht verstehen. In den letzten Monaten mehren sich Nachrichten über die misslungene Integration fremder Nationalitäten. Multi Kulti scheint out, der Austausch mit fremden Kulturen immer weniger gefragt. Doch so negativ wie manche die Situation gerne darstellen ist sie auch wieder nicht. Denn es gibt sie tatsächlich: Wohngegenden, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben: Freundschaftlich und friedlich. Eine Momentaufnahme aus Mönchengladbach, wo Integration kein theoretisches Konstrukt ist, sondern gelebt wird.

Wie eine Familie 12 Jahre um ihr Bleiberecht bangt

Anfang 2005 trat das neue Zuwanderungsgesetz in Kraft. Viele der rund 200.000 geduldeten Menschen versprachen sich davon, in Deutschland bleiben zu dürfen. Jeder Ausländer, der in den vergangenen 18 Monaten ohne eigenes Verschulden nicht in seine Heimat zurückkehren konnte, sollte eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Doch die Praxis sieht ganz anders aus. Die Behörden vieler Länder akzeptieren nur schwere Krankheit als Ausreisehindernis, das den Aufenthalt rechtfertigt. Die kurdische Familie Yanjul wohnt mittlerweile seit 12 Jahren in Köln, auch ihre Situation hat sich durch das neue Gesetz nicht verändert. Noch immer lebt sie mit der ständigen Angst, abgeschoben zu werden.

Manolo, der Held von Mönchen-Gladbach

Es gibt ungewöhnliche Beispiele für gelungene Integration. Dass ein Türke, der kaum deutsch spricht, zur Kultfigur eines deutschen Bundesliga-Fußballvereins wird, ist unwahrscheinlich, aber möglich. Das zeigt die Geschichte von Manolo, der eigentlich Ethem Özenrenler, heißt. Der Trommler vom Niederrhein, koordinierte die Fangesänge mit seinem Instrument und stärkte der Fußballmannschaft Borussia Mönchen Gladbach über Jahrzehnte den Rücken. Manolo ist ein Fremder, der im Stadion eine neue Heimat fand.

Kontakt: 
Jutta Pinzler
Geschäftsführerin
jutta.pinzler [at] sagamedia.de