Immer diese Nachbarn!

Ein Fall für Schons
ZDF
2010

Kaum eine Beziehung ist emotionaler als die zu unseren Nachbarn. Nachbarn nerven und nörgeln. Sie streiten und stören. Sie feiern zu lang und zu laut. Sie haben zu viele Kinder oder mögen keine. 

Sie problematisieren und prozessieren. Wenn Nachbarn sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen, wird es spannend, lustig oder tragisch.

In der ersten Folge streitet sich Volker Steinwedel mit dem Ehepaar Süllow. Einst lebten alle friedlich Haus an Haus nebeneinander. Aber Volker Steinwedels Partys und der Lärm störten die Süllows zunehmend. Im Laufe der Jahre gab ein Wort das andere und nun ist man sich spinnefeind. Dabei wirft man sich nicht nur wüste Beschimpfungen an den Kopf. Gemeine Streiche bringen das Fass zum Überlaufen. Die örtliche Polizei ist Dauergast in der ansonsten ruhigen Reihenhaussiedlung. Und auch die anderen Nachbarn bekommen es langsam mit der Angst zu tun.

Kann Herbert P. Schons hier überhaupt noch etwas ausrichten? Die Gräben sind tief und erscheinen unüberwindbar. Seit Monaten haben die gegnerischen Parteien nicht mehr miteinander geredet. Dafür häufen sich die Schreiben vom Gericht.

In der zweiten Folge liegen sich Dietmar Lyß und das Ehepaar Müller in den Haaren. Im beschaulichen Emskirchen kämpfen sie um eine Gartenhütte. Sie steht auf dem Gelände der Müllers, grenzt aber an das neu renovierte Fachwerkhaus von Herrn Lyß. "Die Hütte muss weg", sagt der eine, "die Hütte bleibt stehen", sagt der andere. Die Wut kocht so hoch, dass sogar schon der Abriss per Kettensäge angedroht wurde. Gründe für oder gegen die Hütte gibt es viele, doch was steckt wirklich hinter diesem Gezänk? Ein Fall für Herbert P. Schons.

Der Anwalt setzt alles daran, den alteingesessenen Herbert Müller und den zugezogenen Dietmar Lyß an einen Tisch zu bekommen. Er will verhindern, dass es zum Äußersten kommt, denn beide Streithähne sind bereit, den Fall "Gartenhütte" vor Gericht auszufechten. Bringt Schons die beiden zur Vernunft?

„Wir wollen die Streitenden kennenlernen und verstehen“

Autorin und Produzentin Iris Bettray über die Filme 

Ich arbeite seit vielen Jahren für die ZDF Sendung 37°, dort setzen wir uns unter anderem immer wieder mit Themen auseinander, die mit Feindschaften und Rivalitäten zu tun haben. So entstand die Idee, und auch mit Nachbarschaftsstreitigkeiten zu beschäftigen. Aber diesmal wollten wir über das Dokumentieren von Menschen in ihren Lebenssituationen, ihren Charaktereigenschaften und Eigentümlichkeiten hinaus, den Versuch einer durch dritte Person herbeigeführten Lösung angehen. 

Insofern haben wir bei „Immer diese Nachbarn! Ein Fall für Schons“ zwar ein Schlichter-Format produziert, darüber hinaus aber vor allem ein Portrait von Menschen gezeichnet – und im Übrigen auch von Landschaften bzw. Umgebung, die Nährboden für Auseinandersetzungen zwischen völlig unterschiedlichen zwischen völlig unterschiedlichen Lebensentwürfen und Lebenseinstellungen sein können. 

Wir haben viel Zeit in diese beiden Filme investiert, weil wir die streitenden Menschen intensiv kennenlernen und verstehen wollten. Und weil es herauszufinden galt, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie haben und welche sie zulassen. Mit Herbert P. Schons , unserem Anwalt in dieser Sendung, hatte ich einen Mann an meiner Seite, der nicht nur die Rechtssprechung beherrscht, sondern von seiner Neugierde Einfühlsamkeit, seinem Humor und natürlich seiner Erfahrung jemand ist, der sich für Menschen wirklich interessiert und bereit ist, ihr Potential zu suchen., auch wenn es manchmal tief verborgen liegt. 

Die beiden Filme, die sich vordergründig mit dem Thema Nachbarschaftsstreitigkeiten beschäftigen, sind also ganz intensive Beobachtungen geworden. Am Anfang betonen wir Unterschiede, die Verschiedenartigkeit. Und dann sehen wir, wie sich die Menschen entwickeln. Anfangs störrisch, ablehnend, Dann weicher, nachsichtiger. Am Ende versöhnlich. Wir nehmen den Zuschauer mit auf diese Reise. Es gibt Momente, wo unsere Protagonisten vergessen haben, dass wir mit unserer Kamera in der Nähe waren. Wo die Reflexion, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter und den eigenen Schwächen so intensiv wurde, dass Dritte um Raum gar nicht wahrgenommen wurden-. Was sicher auch ein Verdienst meines Kameramanns Jens Thering von der Osten ist, der in seiner Arbeitsweise eine Sensibilität für den „nicht Drehbuch-gesteuerten“ Moment hat und in seinen Bildern eine Dichte erzeugt, die wirklich große Film-Qualitäten hat. 

Unsere Dreharbeiten haben viele Monate gedauert. Noch mehr Zeit hat die ganze Produktion in Anspruch genommen, weil wir immer noch im Kontakt mit den ehemals zerstrittenen Parteien sind, weil Prozesse, die im Film angestoßen werden, immer noch nicht ganz abgeschlossen sind, immer noch weiter gehen. Auch der Streit beileget wurde. Wir haben versucht, nachhaltig Streit zu schlichten und nachhaltig Verständnis unter den verfeindeten Parteien für einander wachsen zu lassen. Ich denke, das ist uns gelungen. 

© ZDF, 2010

Kontakt: 
Juliane Metten-Gardiner
Chefin vom Dienst
juliane.metten [at] sagamedia.de