Mit Musik gegen Vorurteile und Hass

Arte-Porträt über die Mostar Rock School
arte
2019
Fr, 24.05.2019 um 19.30 Uhr

Der Lebenslauf des 40-jährigen Orhan Oha Maslo liefert genügend Stoff für einen Spielfilm. Mit 14 schloss er sich den bosnischen Truppen an, dann lebte er in einem Heim, lernte Schlagzeug spielen und tourte nach dem Krieg mit der international bekannten Band „Dubioza Kolektiv“ um die Welt. 2011 beendete der Drummer seine Karriere als Musiker und gründete die Mostar Rock School. „Ich setze auf die Jugend, nur wenn die sich versteht, kann sich das Land versöhnen. Es bringt nichts ständig über die Teilung zu klagen, man muss aktiv etwas dagegen tun. Für mich spielt Religion keine Rolle und beim Musikmachen ist sie sowieso nicht wichtig, genauso wenig wie Nationalitäten oder ethnische Zugehörigkeiten, da kommt es darauf an, wie Du spielst.“

Über 500 Schüler haben an den Kursen der Schule bislang teilgenommen, so wie in diesem Jahr Aria, Mario und Riad. Die Sängerin, der Drummer und der Bassist fiebern mit Schuldirektor Oha auf das nächste Konzert hin. Nur noch wenige Tage haben sie Zeit, um sich auf ihren Auftritt vorzubereiten. Und der ist nicht ohne. Zu den Konzerten kommen regelmäßig an die 300 Besucher.

Dass der 16-jährige Riad und der 18-jährige Mario Freunde sind, ist in Mostar nicht selbstverständlich. Denn Riad kommt aus dem muslimischen Osten, Mario aus dem katholischen Westen. Die beiden haben sich durch die Musik kennengelernt. „Es ist hier ein bisschen wir früher in Berlin, nur ohne Mauer. In den Köpfen vieler Menschen ist die Stadt geteilt. Für uns beide gibt es diese Mauer aber nicht, wir haben keine Lust darüber überhaupt nur nachzudenken. Wir wollen die Vergangenheit einfach nur vergessen und gute Musik machen.“

Während Riad und Mario am liebsten gar nicht über den Krieg und seine Auswirkungen sprechen, kann Aria viel freier mit dem Thema umgehen. Ihr Vater ist Bosnier, ihre Mutter US-Amerikanerin. „Viele Eltern geben den eigenen Hass an ihre Kinder weiter. Ich habe Freundinnen, die dürfen den Ost-Teil der Stadt noch nicht einmal betreten. Die muslimischen Bosnier hassen die katholischen Kroaten, die katholischen Kroaten die muslimischen Bosnier. Selbst wenn sie von der anderen Kultur niemals etwas Schlechtes mitbekommen haben. Außer in der Rockschool, da können alle einfach miteinander Spaß haben“. Die nächsten Tage bedeuten für die jungen Musiker neben Spaß auch viel Stress. Denn für das anstehende Konzert müssen alle drei noch kräftig üben.

Kontakt: 
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